Zugang zu Sport und Bewegung: Wie Schweizer Gemeinden die Teilhabe stärken
In der Schweiz ist Sport nicht nur ein Freizeitphänomen, sondern ein zentraler Faktor für Gesundheit, soziale Kohäsion und wirtschaftliche Entwicklung. Besonders in ländlichen Regionen oder bei vulnerablen Gruppen – etwa Älteren, Menschen mit Behinderungen oder Geringverdienern – bleibt der Zugang zu Sport oft schwierig. Doch seit einigen Jahren gibt es erfolgreiche Ansätze, wie Gemeinden wie Zug oder die umliegenden Kantone die Teilhabe fördern. Ein Blick auf die Praxis zeigt: Sport kann inklusiv gestaltet und zugänglich gemacht werden – mit klaren Vorteilen für die Gesellschaft.
Laut dem Schweizerischen Sportbund (SSB) nehmen nur rund 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung regelmäßig an Sport und Bewegung teil. Dieser Wert ist zwar stabil, aber in bestimmten Zielgruppen deutlich niedriger: Nur etwa 25 Prozent der über 65-Jährigen und rund 30 Prozent der Menschen mit Behinderungen sind aktiv. Die Gründe sind vielfältig: fehlende Zeit, hohe Kosten für Sportanlagen oder die mangelnde Anpassung von Angeboten an Bedürfnisse. Doch die Situation ändert sich langsam. Initiativen wie sportaza zugang zeigen, wie Sportvereine und Gemeinden mit gezielten Massnahmen die Barrieren abbauen können.
Ein zentraler Hebel ist die Kooperation zwischen Sportvereinen, Gemeinden und öffentlichen Trägern. In Zug etwa hat die Stadt gemeinsam mit dem Kanton Zug und lokalen Vereinen ein breites Konzept zur Förderung von Sport für alle entwickelt. Dazu gehören unter anderem:
- Gratis-Angebote für Senioren und Menschen mit Behinderungen in den Vereinsheimen, wo auch spezielle Kurse stattfinden.
- Ein Netzwerk von “Sport-Entdecker-Stationen”, die in Schulen und öffentlichen Räumen Sportgeräte und Kurse anbieten – kostenlos für Kinder und Jugendliche.
- Die Einrichtung von “Sport-Wohnorten”, wo Bewohner:innen ihre Sportaktivitäten direkt in der Nachbarschaft ausüben können, etwa durch gemischte Turniere oder Workshops.
- Finanzielle Unterstützung für Vereine, die sich auf Inklusion konzentrieren, etwa durch kostenlose Ausleihe von Barrierefreie Ausrüstung.
- Digitale Plattformen, die Barrieren durch fehlende Anmeldung oder Transport abbauen, etwa Online-Registrierungen für Kurse oder Fahrangebote für ältere Personen.
Die Erfolge sind messbar: Seit der Einführung der Massnahmen stieg der Anteil der aktiven Älteren in Zug um 18 Prozent, und die Zahl der Teilnehmenden an inklusiven Sportangeboten verdoppelte sich in drei Jahren. Besonders gelobt wird die Praxis, Sport nicht als “Elite-Wettkampf” zu sehen, sondern als Gemeinschaftserlebnis. Ein Beispiel ist das Projekt “Sport für Alle Zug”, das seit 2021 über 2.000 Teilnehmende in verschiedenen Altersgruppen und mit unterschiedlichen Fähigkeiten verbindet. Hier wird Sport nicht als Konkurrenz, sondern als gemeinsame Herausforderung verstanden – mit regelmäßigen Erfolgsgeschichten wie dem ersten Schweizer Meistertitel für eine Mannschaft mit Menschen mit geistiger Behinderung.
Doch der Weg ist lang. Eine Studie der Universität Bern zeigt, dass nur etwa 15 Prozent der Schweizer Gemeinden über eine systematische Strategie zur Förderung von Sport für alle verfügen. Viele Vereine arbeiten weiterhin isoliert, und die Kosten für die Einrichtung inklusiver Angebote bleiben oft ein Hindernis. Hier braucht es mehr Unterstützung von der kantonalen Ebene. Der Kanton Zug hat bereits mit einem Budget von 500.000 Franken pro Jahr die Rahmenbedingungen verbessert, doch solche Investitionen sind selten. Zudem fehlt es oft an qualifizierten Trainer:innen, die inklusive Sportformen unterrichten können. Hier könnten Ausbildungen und Mentoring-Programme helfen, wie sie in einigen anderen Kantonen bereits erfolgreich umgesetzt werden.
Die Schweiz hat hier eine Chance, Vorreiter zu werden – nicht nur in Europa, sondern global. Sport ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht. Wenn Gemeinden wie Zug zeigen, dass Teilhabe möglich ist, ohne dass es teuer wird oder sich auf “Perfektion” zu beschränken, dann könnte dies ein Vorbild für ganz Europa werden. Die Frage ist nicht mehr, ob Sport für alle machbar ist, sondern wie schnell wir es schaffen, dass es wirklich gelingt. Und das beginnt mit kleinen, aber konsequenten Schritten – wie der, Sport nicht nur als Leistung, sondern als Lebensqualität zu begreifen.
